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«Die Familie Schulthess und von Schulthess von Zürich»

Vortrag von Hans Georg Schulthess


Dienstag, 6. November 2007, 1900 Uhr
im kleinen Saal des Zunfthauses zur Saffran,


Da die Familie Schulthess seit über 400 Jahren mit der Zunft Saffran eng verbunden ist, lud Hans Georg Schulthess die GHGZ zu seinen familiengeschichtlichen Vortrag über die Familie Schulthess ins Zunfthaus ein. Im vollbesetzten kleinen Saal erläuterte er uns nach einer Einführung, dass Uli Cunrat 1370 zum „Brodschauer“ durch den Rat der Stadt Zürich gewählt wurde. Der nachgewiesene Vorfahr des Referenten Heini Cunrat wurde 1419 als Bürger der Stadt aufgenommen. Ursprünglich soll der Name Cunrat aus Rüschlikon stammen.

Familienwappen der Schulthess von Zürich

Laut dem Rat- und Richterbuch der Stadt Zürich von 1442 war Heini Cunrad ein wohlhabender Gerber. Auch militärisch wurden er und seine Söhne ausgezeichnet. Ab 1500 taucht die Familie als Cunrat genannt Schulthess auf. Die verwitwete Anna Cunrat geb. Meyer heiratete Hans Schulthess. Ihre Söhne aus erster Ehe mit Heini Cunrat der Jüngere übernahmen nach dem Umweg über Hans Schulthess den Gerbereibebetrieb des Vaters. Dies könnte der Grund für die Namensergänzung und späteren Namenswechsel sein. Auch ein neues Familienwappen erscheint zur selben Zeit. 1515 wird es auf einem Siegel des Rudolf Cunrat gen. Schulthess, Landvogt zu Regensburg verwendet.

Mit weiteren Details führte Herr Schulthess uns weiter in die Familiengeschichte:
Durch eine Friedensperiode folge der berufliche Wechsel der Familie zum Krämer. Was sich auch Ende des 16. Jh. beim Zunftwechsel (Gerber-Zunft -> Krämerzunft Saffran) zeigte. 1630 erwarb die Familie des Hans Heinrich das Haus zum Hinteren Grundstein (Frankengasse/Neustadtgasse), welches heute noch als Stammhaus angesehen wird. Im 17. Jh. wurden zwei Familienmitglieder Zunftmeister in der Krämerzunft zum Saffran. Ein Silberbecher, als Deposit im Landesmuseum ausgestellt, zeugt heute noch davon. In der 2. Hälfte des 17. Jh. Spaltete sich die Familie in verschiedene Linien auf.

Am kommerziellen Aufschwung der Stadt Zürich, nahm die Familie Schulthess besonders grossen Anteil. Sie zählte sich stets zu den führenden Handelshäusern und brachte es zu einem ansehnlichen Wohlstand. Ebenso stellte die Schulthess nach den Familien Hirzel und Escher von Glas mit 8 Vetretern im Grossen Raten eine der wichtigsten politischen Familien. Daneben finden wir verschiedene Mitglieder als Gerichtsherren, so zu Wittenwil, Griessenberg, Girsberg, als Schlossherren zu Lufingen, Uster und Susenberg. Mitte des I8. Jh. erreichte sie den Höhepunkt ihrer sozialen Stellung. Um den Glanz der Familie zu mehren und den Wohlstand vor Verfall zu schützen wurden ein Familienfonds gestiftet, der am 1. März 1758 auf der Saffranstube beurkundet wurde.

Linienbeschreibungen


Wittenwil
Ihr Begründer ist Heinrich Schulthess-Meyer (Weggen Meyer) 1707-1782 ursprünglich aus dem Haus zum Dach, der dann später das Haus zur Limmatburg (heute Hotel Zentral) kaufte. Er erwarb die Herrschaft und damit die Gerichtsbarkeit von Wittenwil im Kanton Thurgau. Heinrich besass ein Seidenhandelsgeschäft und gründete die älteste Zürcher Privatbank, die Bank zur Limmatburg die bis Anfang des 19.Jhr. bestand. Daneben war er eine Zeitlang Besitzer des Eisenbergwerks Gonzen und des Schlossgutes Susenberg.


Rechberg
Der Name Rechberg bezieht sich auf das Haus zum hinteren Rech (Steinberg) und dessen Nachbarhaus zum untern Rech am Neumarkt (heute Sitz des Stadtarchives), die Hans Kaspar Schulthess-Escher 1754 resp. 1790 erworben hatte. Ein Sohn von Hans Kaspar, Adolf Friedrich, kaufte das Erlengut in Erlenbach und 1839 von den Ott'sehen Erben das Haus zur Krone am Hirschengraben, das er in Rechberg umbenannte.
Der andere Sohn, Karl Gustav, erwarb die Herrschaft Nussdorf in Niederösterreich, worauf Kaiser Franz I. ihn als Ritter von Schulthess-Rechberg 1824 in den österreichischen Adelsstand erhob. Karl Gustav, der keine Kinder hatte, stellte dabei die Bedingung, dass nach seinem Ableben der Adelstitel auf seinen Bruder und dessen Nachfahren übergehe. Was so auch geschehen ist. Deshalb schreibt sich dieser Teil unserer Familie von Schulthess.


Thalgarten, auch Gerichtsherren von Griesenberg (Thurgau)
Hans Konrad Schulthess-Kilchensberger 1710-1791 kaufte 1771 das Haus zum Thalgarten (Thalacker) und als Sommersitz das Wäldli in Hottingen. Im Thalgarten gründete er eine Rohseidenhandlung. Durch den Seidenhandel brachte er es zum reichsten Zürcher seiner Zeit. Die Seidenhandlung entwickelte sich je länger je mehr zu einem Bankhaus aus dem mit der Zeit die heutige Bank Rahn & Bodmer hervorging. Mit seiner Unterstützung wurde die Buchhandlung Orell Füssli & Co gegründet.


Lindentor (Haus zum Kiel)
Hans Rudolf Schulthess 1709-1767 übernahm von seinem Vater, Rittmeister Kaspar Schulthess-Haab das Haus zum Lindentor (oberhalb des Kunsthauses am Hirschengraben). Er führte dort die väterliche Florettfabrikation (Florett = Abfall aus der Naturseide, das dann versponnen wurde) weiter.


Lindengarten
Der Bruder vom obigen Hans Rudolf, Kaspar Schulthess-von Muralt 1710-1760 war der Begründer dieses Familienzweiges. Er kaufte das Haus zum Lindengarten (neben dem Lindentor am Hirschengraben). Auch er war im Seidengeschäft tätig.


Roter Turm
Leonhard Schulthess-von Muralt gehört in diese Linie. Sein Original-Portrait finden sie auch im Museum Bärengasse. Eine Kopie davon befindet sich hier im grossen Zunftsaal.
Diese Linie starb schon Ende des 18. Jh. aus. Letzter Vertreter war Hans Kaspar Schulthess 1749-1800. Er war ebenfalls in der Seidenbranche tätig.


Zum Pflug
Hans Jakob Schulthess-Gessner 1685-1753, Sohn von Hans Jakob Schulthess-Hofmeister 1660-1728 war im Besitz des Hauses zum Pflug am Rüdenplatz und betrieb dort eine Kolonial- und Drogeriehandlung. Der einzige Sohn, Hans Jakob 1711-1789 verheiratet mit Anna Holzhalb hatten 4 Söhne und l Tochter. Im Jahre 1870 starb dieser Familienzweig zum Pflug in der männlichen Linie aus. Die Tochter Anna wurde als Ehefrau des Johann Heinrich Pestalozzi berühmt.


Winterthur
Der Stifter der Winterthurer Linie oder auch zum grauen Wind war Hans Jakob Schulthess 1718-1791, verheiratet mit Elisabeth Hegner aus Winterthur (Familie Hegner war Zürichtreu). Er kaufte das Haus zum grauen Wind und betrieb dort als Marchand en gros Spezereien und Drogeriewaren. Er war Rittmeister und wurde 1783 zum Amtmann von Winterthur ernannt. (Als Amtmann hatte er das wirtschaftliche Handeln und Leben als Repräsentant der Stadt Zürich in Winterthur zu kontrollieren und zu überwachen). Dieser Zweig pflanzte sich in Winterthur und Umgebung weiter. Deshalb wurde aus der Linie Grauer Wind die Linie Winterthur. Von dieser Linie stamme ich ab.


Aarhof
Die Linien Aarhof und Weinleiter-St.Urban haben den gemeinsamen Stammvater in Hans Georg Schulthess 1724-1804 verheiratet mit Anna Gossweiler.
Dessen Enkel Hans Jakob 1795-1851 verheiratet mit Charlotte Meyer von Aarau war Pfarrer in Schinznach. Sein Sohn Edmund 1826-1906 kaufte 1850 den Herrschaftssitz Aarhof bei Villnachern. Dessen Söhne waren Wilhelm Schulthess-Wyder 1855-1917, der eine orthopädische Privatklinik eröffnete, die sich zur bekannten Schulthess Klinik weiterentwickelte, und Edmund Schulthess-Disque 1868-1944, welcher 1912 zum Bundesrat gewählt wurde und das Volkswirtschaftsdepartement übernahm. Nach 23 Jahren erfolgte sein Rücktritt.


Weinleiter - St.Urban
Im Haus Weinleiter befindet sich die Buchhandlung Schulthess am Zwingliplatz Das Haus St.Urban an der Stadelhoferstr. steht heute nicht mehr.
Stammvater der Linie ist Chorherr und Theologe Johannes Schulthess 1763-1863, Gründer der Buchhandlung Schulthess. Aus dieser Linie stammt auch der Physiker und Dr. med. Rudolf Schulthess 1802-1833. Der Sprachbegabte war Mitbegründer der Antiquarischen Gesellschaft, Experimentierte mit Magnetismus und Elektrizität und entwickelte einen ersten, wirklich funktionierenden Elektromotor.


Schönhof
Das Haus stand an der Rämistrasse Ecke Stadelhofstrasse. David Schulthess, auch wieder Seidenfabrikant, heiratete 1863 Barbara Wolf. Sie wurde bekannt durch ihre Freundschaft mit Johann Caspar Lavater und durch ihn wiederum mit Johann Wolfgang von Goethe. Sie hatte einen regen Briefwechsel mit Goethe. Goethe schickte ihr verschiedene Manuskripte zur Beurteilung. Dieser Zweig ist auch ausgestorben.



Nach dem Vortrag übernahm unser Präsident Herr Adams die Diskussionsleitung:
Darin wurde kurz das Thema Standesbewusstsein angesprochen und anschliessend nach dem aktuellen Nachkommenbaum gefragt. Der Berufsgenealoge Mario von Moos zeigte den Zuhörern den umfangreichen gedruckten Nachkommenbaum, welcher mehrere Meter Breite aufweist.
Zum Schluss hatten die Gäste noch Gelegenheit die umfangreiche Literatur zur Familie Schulthess zu durchstöbern bis der Apéro gereicht wurde.

Literatur
  • «Die Familie Schulthess von Zürich» Band I, Schulthess-Verlag Zürich: 1908
  • «Die Familie Schulthess von Zürich» Band II, Schulthess-Verlag Zürich: 1958
  • Schifferli, Dagmar; Klaas Meilier, Brigitta: «Meine getreue Schulthess» Briefwechsel zwischen Anna Schulthess und ihrem späteren Mann, Heinrich Pestalozzi. Werd-Verlag: 1996
  • «...dass unter Frau Susanna, der Fabrikantenfrau in Wilhelm Meisters Wanderjahre, von Goethe, Frau Barbara Schulthess-Wolf von Zürich zu verstehen ist.» Heft Schweiz. Spinner-Zwirner & Weber Verein, Aktienbuchdruckerei Wetzikon: 1888.
  • «Bundesrat Edmund Schulthess» Festgabe 1938, Druck Effingerhof AG. Brugg: 1938
  • «Wilhelm Schulthess-Wyder 1855-1917 und die Schweizerische Orthopädie in seiner Zeit». Schulthess Polygraphischer Verlag 1983.
  • Handke, Barbara; Hauser,Jürg ; Ruoff, Ulrich: «Das Haus zum Rech» Stadt Zürich Bauamt II. Graphische Betriebe AG Zürich: 1979
  • Schulthess-Ulrich, Gustav W. von; Renfer, Christian: «Von der Krone zum Rechberg» Th. Gut Verlag Stäfa: 1996
  • Fries, Heinrich: «Im Zürcher Oberdorf» Chronos-Verlag 2001
  • «Villette Cham (Haus und Landgut Schulthess-von Meiss)» Stiftung Villette Cham: 1991
  • Mörgeli, Christoph: «Dr.med. Rudolf Schulthess 1802-1833» Taschenbuch der Stadt Zürich auf das Jahr 2007
 
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