Logo GHGZ
Home über uns Aktivitäten Hilfsmittel Mitglieder Infos
Veranstaltungskalender Veranstaltungsrückblicke Referenten der Vorträge Untermenu Aktivitäten
 

"Wie die Namen auf die Landeskarten kommen."

Vortrag von Verm. Ing. ETH Martin Gurtner, swisstopo (Bundesamt für Landestopographie), Bern:

Dienstag, 7. Februar 2006, 1900 Uhr
in den Vortragssaal der Uni Irchel (Anthropologisches Museum), vis-à-vis Staatsarchiv,


Für uns Familiengeschichtsforscher sind genaue topografische Karten von grosser Bedeutung, um die Herkunft unserer Vorfahren lokalisieren zu können. Martin Gurtner gab uns einen Einblick in die aktuellen Arbeiten von swisstopo, dem Bundesamt für Landestopografie.

Der Referent begann mit einem kurzen Überblick zur Organisation der heutigen swisstopo mit ihren Haupt-Arbeitsbereichen: Geodäsie, Topografie, Kartografie, Vermessungsdirektion und der Landesgeologie. Von hier schlug er den Bogen zur ersten Schweizer Karte: gezeichnet 1496 von Konrad Türst. Reichlich bebildert folgte die weitere Geschichte der Schweizer Karten mit der Salamanca-Karte aus dem Jahr 1555, in der erstmals Norden oben auf der Karte gezeichnet wurde. Weiter zeigte uns Herr Gurtner die folgenden kantonale Karten: Schöpf für das Berner Staatsgebiet von 1577 und die sehr detaillierte Karte aus dem Jahr 1667 von Hans Conrad Gyger für den Zürich. 1796 entstand dann der erste Atlas von Meyer und Weiss.

Ausschnitt Siegfried-Karte Blatt Langnau am Albis ZH [1] 1832 wurde Guillaume-Henri Dufour zum Chef der eidgenössischen Vermessung ernannt. Dufour stellte 1838 Zeichner ein, mietete in Carouge ein Wohnung und nannte es «Topografisches Bureau». Damit hat er den Grundstein zum Bundesamt für Landestopografie gelegt. In den Jahren 1844-1864 entstand dann die erste auf Vermessung beruhende topografische Karte ( Dufourkarte) im Massstab 1:100'000.

Zu dieser Karte gibt es die kleine Geschichte, dass der höchste Berg in der Schweiz keinen Namen hatte und der Bundesrat dieses eine Mal einen Namen für einen Landschaftspunkt vergab: die «Dufourspitze».

Zwischen 1870-1900 entstand der Siegfried-Atlas und ab 1938 kamen die Landeskarten heraus. Das letzte Blatt 1292 Maggia erschien 1979, seit 1968 werden die Karten alle 6 Jahre nachgeführt.

Vermessung früher [2] Seit 1927 werden auch Luftbilder für die Kartenerstellung verwendet: zuerst in Schwarz-Weiss, ab 1998 in Farbe und seit 2004 mit digitalen Aufnahmen. Luftbilder und die alten Karten liegen im Archiv der Landestopografie, mit dem Bibliotheksverbund Alexandria kann darauf zugegriffen werden.

Auch die Landesvermessung hat mit dem Einzug der neuen Techniken und der Computer einen enormen Wandel erfahren, die Zeiten der Theodoliten sind vorbei. Die satellitengestützte Vermessung arbeitet mit GPS-Navigationssatelliten. Hier erzählte uns Herr Gurtner die Geschichte von der denkmalgeschützten Vermessungspyramide. Mit der Nivellement-Messung (Höhenmessung) konnte festgestellt werden, dass die Alpen jedes Jahr um 1 bis 1½ mm wachsen. Für die Schweiz macht die Erdkrümmung 2.5 km aus.

Ausgangsbasis für die Nachführung der Karten (und der digitalen Daten) sind Luftbilder, aufgenommen in einer Höhe von 4000m über dem Boden. Die Topografen überprüfen die neuen Elemente und offene Fragen im Gelände. Kupferstich und Glasgravur gehören der Vergangenheit an. Die rohen Daten werden vom Kartografen am Computer aufbereitet. Für die Reliefschattierung erfolgt der Lichteinfall aus der oberen linken Ecke (NW). Der Wanderer nimmt natürlich kein Notebook mit, die Karten auf Papier sind weiterhin sehr beliebt. Daneben gibt es diverse digitale Produkte: Pixelkarten, Höhenmodelle, Vector 25 etc..

Fehlermeldungen von Lücken und Falscheinträgen werden gerne angenommen mit den Angaben zu wo, was und wie. Der elektronische Briefkasten: http://www.swisstopo.ch/de/products/analog/maps/tk25






Einigen Gesprächsstoff liefern die Namen auf den Karten. swisstopo geht dabei folgendermassen vor:

  • Gemeinden sind nach dem amtl. Gemeindeverzeichnis benannt (St. wird als Abkürzung verwendet.)
  • Bahn/Bus-Stationen werden nach dem Kursbuch benannt.
  • Topografische Objekte wie Berge, Flüsse etc. nach der üblichen Schreibweise, meist in der Schriftsprache.
  • Flurnamen nach den Weisungen von 1948 „in Anlehnung an die ortsübliche Aussprache“.
    Die Dialektform am Ort kann aber auch zu Problemen führte, wenn der Nachbarort schon eine leicht andere Ausdruckweise kennt. Derzeit ist eine neue gesetzliche Grundlage, das Geoinformationsgesetz in Vernehmlassung. Hier ging Herr Gurtner auf die derzeit laufende Diskussion ein. Es müssen für die Flurnamen Kompromisse zum Schriftbild, den Mundarten, dem Ursprung und der Strassenbeschilderung gefunden werden. Wobei die swisstopo sich auf die Angaben der Kantone abstützt.

Derzeit befinden sich in der Datenbank SwissNames 190'000 Einträge. Davon werden 153'000 für die Karten 1:25'000 verwendet.

Diese Namenslisten können in der neuen DVD Swiss Map 25 abgerufen werden. Die Dufour-Karte wurde inzwischen digitalisiert und in Dufour Map zusammen mit der aktuellen Karte integriert.

Nach dem Vortrag wurde in der anschliessenden Diskussionsrunde vor allem die Problematik der Flurbezeichnungen diskutiert.

Weiterführende Links:

Bildquellen:

[1]
Blatt Langnau am Albis der Siegfriedkarte, zur Verfügung gestellt von Martin Gurtner, swisstopo.
[2]
Messtisch, zur Verfügung gestellt von Martin Gurtner, swisstopo.

Seitenanfang
© 2006 GHGZ-Vorstand, Februar 2006, Webmaster