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"Entstehung der Heimatlosigkeit, ihre Folgen und die Einbürgerungen in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts."

Vortrag von Herr Dr. Rolf Wolfensberger, Museum für Kommunikation, Bern:

Dienstag, 10. Januar 2006, 1900 Uhr
im Vortragssaal des Staatsarchivs


Fragen der Heimat- bzw. Bürgerrechte durchziehen die jüngere Schweizergeschichte wie ein roter Faden bis heute. Im 19. Jahrhundert sind sie eng verknüpft mit Fragen der Heimatlosigkeit und dem Schicksal der fahrenden Bevölkerungsgruppen.

Unser Referent, der Sozialhistoriker Rolf Wolfensberger, zeigte uns Zuhörern zuerst eine fotografische Darstellung der Clara Wendel als Revolutionärin, zu der sie, nach einem mit Folter entstandenem Mord-Geständnis, gezeichnet wurde. Sie verkörperte zu jener Zeit den Typus der heimatlosen Fahrenden.

Anhand von Berichten über weiterer Heimatlosen, die auf den Fahndungsfotos von Carl Durheim abgelichtet wurden, erfahren wir, dass die Kantone im Auftrag des Bundes nach dem Erlass des Heimatlosengesetzes 1850 flächendeckende Landjagten durchführten. Auf diese Weise sollten alle Heimatlosen und Nicht-Sesshaften dokumentiert und zwangseingebürgert werden.

In diesem Zusammenhang zeigte uns der Referent auf, dass Heimatlosigkeit seit dem 16. Jahrhundert eng mit dem sozialen Stand, dem Beruf, der Religion, der Bildung und dem Straf- und Moralrecht verbunden war. So konnte u.a. auch, wie in «Romeo und Julia im Dorfe» von Gottfried Keller beschrieben, eine längere berufliche Abwesenheit zum Verlust des Heimatrechtes führen, mit all den dann folgenden Konsequenzen.

Die Familien der Heimatlosen wurden durch die Zwangseinbürgerung oftmals verschiedenen Bürgerorten zugewiesen. Da damit eine sesshafter Wohnsitz einher gehen musste, wurde die Familienmitglieder auseinander gerissen. Zusätzlich wurden die Kinder umplatziert, damit sie sich die Lebensweise der Nicht-Sesshaften nicht aneigneten. Dieses Verfahren wurde bis in die 70ziger Jahre des 20. Jahrhunderts gepflegt.

Weiterführende Links:

Literatur:

[1]
Meier, Thomas D.; Wolfensberger, Rolf, Eine Heimat und doch keine, Heimatlose und Nicht-Sesshafte in der Schweiz (16.-19. Jahrhundert), Zürich, 1998, S. 636, ISBN 3-905312-53-0.
[2]
Gasser, Martin; Meier, Thomas D.; Wolfensberger, Rolf, Wider das Leugnen und Verstellen, Carl Durheims Fahndungsfotografien von Heimatlosen 1852/1853, Fotomuseum Winterthur, 1998, S. 144, ISBN 3-907495-86-1.
Bestellmöglichkeit
[3]
Fritz, Gerhard, Jaunerdynastien, Abstammungsverhältnisse devianter und krimineller Personenkreise aus südwestdeutschen Kriminalakten des 18. Jahrhunderts, in: Trugenberger, Volker, im Auftrag des Vereins für Familien- und Wappenkunde in Württemberg und Baden e.V., Genealogische Quellen jenseits der Kirchenbücher, 56. Deutscher Genealogentag Leonberg 2004, Suttgart, 2005, S. 43-76, ISBN 3-934464-06-8.
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