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"Die Landwirtschaft, insbesondere der Rebbau, vor den Toren der Stadt Zürich im 17., 18. und beginnenden 19. Jahrhundert"

Vortrag von Dr. Samuel Wyder-Leemann, Aesch/Forch:

Dienstag, 8. November 2005, 1900 Uhr
im Vortragssaal der Uni Zürich



Winzerpaar am Zürichberg. Bemalte Kastentürfüllung von Werner Adams, Zürich in Privatbesitz.

Etwa 60 GHGZ-Mitglieder und Gäste erfuhren zuerst von Herrn Wyder, dass eine Juchart im Jahre 1801 Rebland 1'336.- und Ackerland 40.- alte Franken Wert hatte. Wobei eine Juchart Wiese etwa 3'600 m2 entspricht. Daraus ist ersichtlich wie wertvoll Rebland war. Anhand einzelner Pläne zeigte uns Samuel Wyder wo sich Acker-, Wies- und Rebland um die damalige Stadt Zürich befand.

Mit zwei Bildern aus unterschiedlichen Jahrhunderten einer Gletschermoräne wies der Redner auf die klimatischen Unterschiede hin. Während das Mittelalter wärmer war, wies das 17.-19. Jahrhundert kühlere Wetterverhältnisse auf. Dies hatte natürlich auch den entsprechenden Einfluss auf die Landwirtschaft. Zur selben Zeit als sich die Wetterverhältnisse verschlechterten, wuchs die Bevölkerung nach dem letzten Pestzug schneller an.

Mit weiteren Bildern zeigte uns Herr Wyder wie die Bauern damals lebten. Kühe wurden als Zugtiere und nicht für Fleisch und Milch gehalten. Der Pflug ritzte nur den Boden auf, brach sie jedoch nicht um. Damit konnte das Unkraut gleich wieder Fuss fassen. Mit der Dreifelderwirtschaft (Winter-, Sommergetreide und Brache) gab es keine Freiheiten im Fruchtwechsel. Eichenwälder waren bevorzugt, da die Eicheln für die Schweinemast verwendet wurden.

Die Stadt selbst bot anhand alter Zehntenpläne viele unbebaute Stellen mit Bünten (Gemüsegärten) und Wiesen mit Obstbäumen auf.

Das alte System der 3er Zälge konnte mit den schlechteren Wetterverhältnissen die wachsende Bevölkerung nicht mehr genügend ernähren. Darum berechnete die 1746 gegründete physikalische Gesellschaft (heute: Naturforschende Gesellschaft in Zürich) 1771 wieviel Mütt Kernen (Dinkel) für die Bevölkerung nötig war:

Gebiet Bevölkerung 1762
Stadt Zürich 11'452
11 Vororte 7'829
Zürich Landschaft 154'330


Daraus ergab sich die folgende Berechung:

Bedarf 357'338 Mütt
Produktion 232'204 Mütt

Import 125'134 Mütt


Dies mit einem Verbrauch von durchschnittlich 2,5 Mütt (ca. 153 kg) Kernen pro Person.

Die Importe konnten dank der aufkommenden Heimarbeit mit Geld bezahlt werden. Bei der Missernte 1770 explodierten die Lebensmittelpreise. Nun erlaubte die Stadtregierung die Bebauung der Brache mit Kartoffeln. Samuel Wyder zeigte uns des weiteren mit grafischen Darstellungen der Lebensmittelpreise wie hohe Preise auf schlechtes Wetter, Krieg und Vulkanausbrüche und somit zu Missernten zurück zu führen sind. Da die Löhne gleich blieben, folgte daraus auch Hungersnot und Verarmung der Bevölkerung.

Die alten Zehntenpläne bzw. Urbare bieten eine Fundgrube landwirtschaftlicher, besitzerklärender und genealogischen Details. Als Beispiel führte Herr Wyder die Urbare des Spitals Zürich auf. Der Spital hatte 14 Reblehen. Die Rebbauern mussten die gesamte Produktion abgeben. Die Hälfte davon wurde wie bei einer Bank gut geschrieben. So konnten Missernten etwas ausgeglichen werden. Herr Wyder wusste noch zu berichten, dass in Zürich und um den Zürichsee herum die Rebsorten Elbling und der Räuschling angepflanzt wurden. Der Elbling wird heute noch in Luxemburg und an der Mosel angepflanzt. Das Kloster Einsiedeln pflanzt ihn erst seit kurzem wieder an.

In der kurzen Fragerunde wurde der Zehnte angesprochen. Der Referent verwies darauf, dass der Grosszehnte als Abgabe aus den Feldern und der Kleinzehnte als Abgabe aus den Bünten (Gärten) bestand. Der Kleinzehnte wurde später mit Geld bezahlt.

Aber nun waren alle auf die Degustation des Elbling des Klosters Einsiedeln und Riesbächler Räuschling von Landolt gespannt.

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