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Jahresausflug

Führung durch Willy Bächthold und Peter Müller


Sonntag, 23. Juni 2002
nach

Schleitheim (Schlaate)




Bei blauem Himmel und sommerlichen Temperaturen trafen sich am 23. Juni 62 GHGZ-Mitglieder und Freunde um halb elf auf dem Gemeindehausplatz in "Schlaate". Im Schatten der Bäume wurden wir von unserem Präsidenten Werner Adams begrüsst, der anschliessend unsere beiden Führer GHGZ-Mitglied Willi Bächtold und Peter Müller vorstellte. Als Einleitung zum anschliessenden Rundgang bot uns Willi Bächtold ein Einblick in die Ortsgeschichte:

Das Randental ist seit keltischer Zeit besiedelt und lag zur römischen Zeit an der wichtigen Strasse Vindonissa - Tenedo (Zurzach) - Brigobannis (Hüfingen) - Juliomago (Rottweil). Anschliessend siedelten, anhand grosser Gräberfunde sichtbar, sich Alemannen an. Um 970 schenkte der Herzog Burkhard II. von Schwaben die Talschaft Schleitheim dem Kloster Reichenau. Dies bot der Region künftig eine konstante Entwicklung. Als Amtsammänner traten vor allem mehrere Generationen der Familie Stamm hervor.
Während die Grundherrschaft des Klosters bis um 1800 Bestand hatte, entwickelte sich die Gerichtsherrschaft mit der Vogtei und dem Meieramt ausserordentlich kompliziert. Nach der Verlehnung der aufgeteilten Vogtei an die Krenkinger, Randenburger, von Neuenegg, Randegg, Lupfen und an Schaffhauser Adelsfamilien, kamen bis 1530 alle Vogteianteile an Schaffhausen und somit Schleitheime zur Eidgenossenschaft. Ausgenommen war jedoch die "Hostiz", die Hohe Gerichtsbarkeit, welche bis 1839 von den Grafen von Lupfen, später von den Fürstenbergern und ab 1805 vom Grossherzog von Baden ausgeübt wurde.
Dass Schleitheim heute in weiten Teile der Erde bekannt ist, verdankt es der Täufersynode von 24. Februar 1527. Damals legte in Schleitheim eine Versammlung unter Michael Sattler in 7 Artikeln die Glaubenslehre der Wiedertäufer fest. Die sogenannten Schleitheimer Artikel bilden heute noch die Grundlage der Mennoniten, Baptisten, der Amischen etc.

Wagnerhüüsli in Schlaate

Für unseren Dorfrundgang teilten wir uns in zwei Gruppen auf. Peter Müller führte uns zuerst zum Adler, das nach dem Dorfbrand an Stelle alter Kehlhofgebäude, Lehen des Klosters Reichenau, errichtet wurde. Der Adler wurde 1805 von Christian Stamm, dem letzten reichenauischen Amtmann erbaut. Christian Stamm war der reichste Mann der Schaffhauser Landschaft und legte sein Vermögen in Grossbauten an. Die Inschrift über dem Tor zeigt die Initialen von Christian Stamm und seiner Frau Anna sowie das Hauszeichen der reichenauischen Amtmänner.

Auf der gegenüberliegenden Strassenseite liegt das Wagnerhaus. Das schöne Riegelhaus wurde von Amtmann Martin Stamm 1690/97 erbaut. Ursprünglich standen hier ebenfalls Kehlhofgebäude. Im Innern befinden sich alte Kachelöfen, einer davon ist mit der Jahrzahl 1698 datiert. Das davor stehende "Wagnerhüüsli" wurde 1838 als Schmiede erbaut. Seit der Jahrhundertwende bis 1984 wurde es als Wagnerwerkstatt benutzt. Die Werkstatt ist immer noch komplett eingerichtet.

Auf dem Weg zurück zum Gemeindehausplatz machten wir auf der "Wehribrücke" halt. Diese Brücke, wegen ihres ehemaligen roten Farbanstriches auch rote Brücke genannt, wurde 1864 ersetzt. Der Brückenaufbau der überdeckten Holzbrücke wurde abgetragen und als Wohnhaus wiederverwendet.

Wieder am Gemeindehausplatz angelangt, konnten wir, wiederum im Schatten der Bäume, etwas zum 1535 erbauten Gemeindehaus vernehmen:
Bei der Erbauung des Gemeindehauses wurde auch das Kirchengut angetastet, was die Geistlichkeit zur folgenden Klage veranlasste: "In Schleiten sei die Kilchen mit Gestühl und andern Dingen übel versorgt, dagegen die Trinkstuben us den Kilchengütern hübsch erbuwen".
Auch dieses Haus brannte beim grossen Brand ab. 1748 wurde es wieder aufgebaut und in den letzten 200 Jahren des öftern umgebaut. Insbesondere der Giebel wurde immer wieder angepasst. Heute stammen nur noch die Aussenmauern und die Gewölbekeller aus der Erbauerzeit.
Bis zur französischen Revolution war das Gemeindehaus die Absteige des Obervogtes aus Schaffhausen, welcher für die Obervogtei Schleitheim-Beggingen zuständig war. 1968 wurde das Gemeindehaus an Private verkauft und war bis in die 80ziger Jahre ein schönes Wirtshaus.

Die "Gass" führt vom Gemeindehausplatz an den nach dem Dorfbrand wieder aufgebauten Fachwerkhäusern vorbei zur Villa Aida. Ein Christian Stamm baute 1906 die Villa nach seiner Rückkehr vom ägyptischen Hof, wo er als Hofgärtner arbeitete. Heute ist in der Villa die Gemeindeverwaltung untergebracht.

Restaurant Brauerei in Schlaate

Die «Brauerei» am Gemeindehausplatz ist ein riesiges Bauernhaus mit massivem Wohnteil. Der Ökonomieteil zeigt ein wohlproportioniertes, sehr schönes Riegelwerk. Das Haus wurde 1748, ein Jahr nach dem grossen Dorfbrand, vom damaligen reichenauischen Amtmann Martin Stamm erbaut, dessen direkte Nachkommen heute noch das Gebäude besitzen. Den Namen Brauerei erhielt das Haus im 19. Jahrhundert. Um 1840 wurde im Hintergebäude eine Bierbrauerei eingerichtet und bis 1907 betrieben.

Weiter ging es zur oberen Brücke (Kronenbrücke), die 1812 nach einem Hochwasser aus Stein wieder aufgebaut wurde. Von hier konnten wir auch das "Kätterlihuus" sehen. Dieses Haus wurde um 1740 vom Chirurgus Willhelm Wanner, Feldscherer in holländischen Diensten, und seiner Ehefrau Katharina, geb. Stamm, einer Tochter des Amtmanns, erbaut. Nach dem Tode des Ehemanns lebte die Witwe Katharina über 40 Jahre in diesem Haus, welches so nach ihr benannt wurde.

In wenigen Schritten ging's weiter zur Krone, bis 1942 ein Gasthaus. Es ist das höchste Haus im Dorf. Erbaut wurde die Krone schon vor 1735 vom gleichen Martin Stamm, welcher die Brauerei erbauen liess. 1735 stand an dieser Stelle ein Wirtshaus. Sehr wahrscheinlich war es die 1384 erwähnte reichenauische Taverne. Im 16./17. Jh. wurde es das obere Wirtshaus genannt. 1714 wurde dieses Haus vom Schaffhauser Bürger Daniel Pfister erworben. Er nannte das Haus zum roten Ochsen.

Weiter oben, bei der Kirche, stehen wir vor dem alten Schulhaus. Der frühere im Jahr 995 erstmals erwähnte reichenauische Fronhof wurde 1630, als der hiesige Zweig des adeligen Geschlechts der Keller von Schleitheim ausstarb, von der Gemeinde als erstes Schulhaus eingerichtet. 1780 wurde das Schulhaus neu gebaut und 1824 mit einem Anbau erweitert.
Das bis 1974 genutzte Schulhaus dient heute als Mehrzweckgebäude (Kirchgemeinderaum, Webstube, Unterrichts- und Musikraum sowie im oberen Stockwerk samt ganzem Dachgeschoss als Orts-Museum).
Zwischen altem Schulhaus und Pfarrhaus ist an einer Maurer das schaffhausische Wappen zu sehen, das ursprünglich als sichtbares Zeichen der Obrigkeit über dem Portal des Schulhauses angebracht war. Das 1778 teilweise neu erbaute evangelische Pfarrhaus besitzt eine schöne Haustüre mit dem Wappen des Fürstbischofs von Konstanz, Maximilian Christoph von Rodt.

Kirch in Schlaate

Als Abschluss unseres Rundgang besuchten wir die ehemalige Sakristei im Kirchturm. Sie ist mit einem Kreuzrippengewölbe ausgestattet mit einem Schlussstein, auf welchem das Wappen der Abtei Reichenau zu sehen ist. Bis 1963 war es das sogenannte "Lüüterstübli". Dies ist noch an der Decke an der Seildurchführungen zu sehen.
Durch einen kleinen Gang gelangten wir anschliessend in das Kirchenschiff. Die Kirche wurde 1869/70 vom Kantonsbaumeister Bahnmeier im neoromanischen Stil erbaut. Sie beruht auf vier Vorgängerkirchen.
Die älteste konnte um 600 datiert werden. Wahrscheinlich im 8. Jahrhundert wurde die 2. Kirche gebaut, welche im 9. oder 10 Jh. durch ein Chor erweitert wurde. Mit dem Übergang des Patronatsrechts von Herzog Burkhard II an das Kloster Reichenau entstand um 973 die dritte Kirche. Darauf folgte im 13. oder 14. Jh. an gleicher Stelle die 4. Kirche.
In der ersten Hälfte des 15 Jahrhundert wurde der Kirchenturm gebaut und weitere Umbauten vorgenommen. In diese Bauperiode gehört auch die Glockengussgrube, die im Schiff freigelegt wurde. Hier ist offenbar die 1452 datierte und 1901 eingeschmolzene Mittagsglocke gegossen worden.

Nach dem Rundgang erwartete uns um zwölf Uhr in der «Brauerei» ein "gut bürgerliches Mittagessen".

Der Nachmittag begann mit einem Spaziergang aus dem Dorf zum Staufenberg. Vorbei an schmucken Häuser und über Felder und Wiesen zogen wir hinauf zum Aussichtspunkt über das ganze Tal. Die Sommerhitze machte einigen zu schaffen, doch dann erreichten wir plötzlich den Rastplatz unter einer mächtigen Baumgruppe, der zuvor von Willi Bächtold mit seiner Familie und Freunden mit Bänken und Tischen ausgestattet wurde. Auch standen Wein und Kuchen und andere Köstlichkeiten bereit. Bei herrlicher Sicht über "Schlaate" und nochmals einigen topografischen und geologischen Ausführungen beendeten wir den interessanten Tag.
Gruppenweise erfolgte am späten Nachmittag der Abstieg ins Dorf, von wo aus uns der Bus an die Bahn nach Schaffhausen brachte.

Ein grosser Dank gebührt Willi Bächtold und seinen Helfern für diesen unvergesslichen Sommertag in einem entlegenen Zipfel der Schweiz, der uns viel mehr an Kultur bot als wie zuvor erahnt haben.

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