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Die meisten Helbling stammen vom oberen Zürichsee, aus Jona oder Rapperswil. Ende des 18. Jahrhunderts hiessen
20 Prozent der Bürger in Rapperswil Helbling. Diese besetzten 30 Prozent aller Amtsstellen und besassen im Verlaufe der Geschichte
jedes zweite Altstadthaus. Für Dritte schien Rapperswil die Stadt der Helbling zu sein. Ähnlich war es in Jona, wo das Geschlecht
seit dem 14. Jahrhundert auftritt. Woher kommen aber ursprünglich die Helbling?
Diese Fragen hat Prof. Dr. Helbling in seinem Buch
»Die Helbling, Rapperswil und Jona«,
Verlag NZZ, 2003, beantwortet.
Bei seinem Vortrag, der auch mehrere Zuhörer aus dem Kreise der Helblings enthielt, beleuchtete Herr Helbling zuerst die
Geschichte der Stadt
Rapperswil. Anschliessend wechselte er zur Familiengeschichte:
Verbreitung und Herkunft des Namens
Weltweit führen ca. 5'000 Personen den Familiennamen Helbling. Davon leben 2'400 in der Schweiz und davon
wiederum 800 am Zürichsee. Das erste Mal urkundlich erwähnt wird der Name 1270 in Innsbruck, 1340 in Säckingen (DE) und ca. 1400 im
Jahrzeitenbuch von Rapperswil/Jona als Helwig. Die Namen entstanden unabhängig voneinander. In Rapperswil hiessen die
Helbling 1477 Helwig und diese vor 1400 Grunauer. Die Grunauer waren schon im 12. Jahrhundert in der Gegend ansässig.
Namensänderungen waren damals nicht selten.
Das Helbling-Wappen
Das Familienwappen der Helbling zeigt über grünem Dreiberg, vor rotem Hintergrund, einen Halbmond und einen Stern.
Das älteste bekannte Wappen der Helbling von Rapperswil stammt von 1583 und weist im Wappen als Handwerksattribut
zusätzlich einen Hammer auf. Dieses Wappen wird bis heute von den meisten Helbling mit Bürgerort Rapperswil geführt und ist
auch am Rathaus Rapperswil so wiedergegeben. Im 18. und 19. Jahrhundert sind viele Varianten entstanden, je nach Familienzweig und
Bürgerort (Jona, Schmerikon usw.), so durch Änderung des Handwerksattributs (z.B. Beil anstatt Hammer) oder – am häufigsten – durch
dessen Weglassung und mit willkürlicher neuer Anordnung von Mondsichel und Stern. Die Hintergrundfarbe des Helbling-Wappens ist
bei Frauen in der Regel blau und nicht rot (z.B. bei einer Äbtissin in Wurmsbach oder in Allianzwappen). Die Wappen sind
deshalb so gut dokumentiert, weil die Helbling sehr oft Inhaber eines Amtes in Rapperswil waren. So finden sich im
Regimentsbuch z.B. unter dem Jahr 1787 bei den insgesamt 54 Mitgliedern des Grossen Rates, Kleinen Rates und
Gerichtes 16 (30%) Personen mit dem Namen Helbling.
1544 wurde der erste Helbling, von St. Dionys (bei Jona) stammend, Stadtbürger von Rapperswil. Acht Helbling -
soviel wie von keinem anderen Geschlecht - übten im Verlaufe der Jahrhunderte das Amt des Stadtpräsidenten aus, der bis 1799
Schultheiss, dann Munizipalpräsident, später Stadtammann hiess. Auch in Jona hiessen drei Gemeindepräsidenten Helbling.
Zum Schluss erzählte der Referent noch Episoden aus der Familiengeschichte:
Episoden aus der Familiengeschichte
Der Schultheiss Bonifaz Toumeisen (heute Domeisen) hat 1760 ein Testament mit einem Fideikommiss zugunsten
der jeweils ältesten beiden Namensträger
Helbling unter den Nachkommen der Brüder seiner Mutter (sog. grosses und kleines Majorat) errichtet. Als dieses Testament nach
seinem Tode vom Kleinen Rat nicht anerkannt wurde, hat sein Bruder, Pfarrherr, ein gleichlautendes Testament verfasst.
In diesem rechtlich gültigen Testament wurden der Zinsertrag von 4'000 Gulden vererbt. Damals lag der Wert eines Stadthauses
bei etwa 2'000 bis 4'000 Gulden. Heute beträgt dieses Kapital noch 19'000 Fr. An Zinsertrag erhalten die beiden begünstigten
Nachkommen noch je rund 100-200 Franken jährlich, da die Hälfte des Ertrages sozialen Zwecken zuzukommen hat.
Jakob Helbling, abgebildet auf dem nebenstehenden Gemälde von 1658, war Mitglied des Kleinen Rates als im Januar und
Februar 1656 Rapperswil während fünf Wochen durch 7000 Zürcher unter General Werdmüller belagert wurde. Jakob Helbling war
Schmiedemeister, ein besonders in Kriegszeiten wichtiger und begehrter Beruf. Die Stadt hielt der Belagerung stand und konnte
nicht eingenommen werden. Auf der Seite von Rapperswil kamen 23 Personen vor allem durch Beschiessung ums Leben.
Es sind verschiedene Helbling aus den Hofgemeinden namentlich bekannt, die damals grosse Schäden erlitten.
Der Munizipalpräsident Peter Christoph Helbling – Vorfahre des Referenten – erstellte 1799 ein Register über alle 258 Bürger
der Stadt, die den Eid auf die neue Verfassung der Helvetik abgelegt hatten. Mit einem Exkurs zur Rapperswiler-Geschichte
beleuchtete der Referent die Situation für Peter Christoph Helbling:
1798 zogen 50'000 Franzosen mit mehreren tausend Pferden
durch die Stadt und über die Seebrücke und quartierten sich in der Umgebung ein. Peter Christoph Helbling wurde im Oktober 1799
von den Franzosen wegen ungenügender Willfährigkeit verhaftet und kam erst frei nach Bezahlung eines Douceur (Schmiergeldes)
von 12 Louisdor an den Commandanten durch die Regierung des Kantons Linth, zu dem Rapperswil damals gehörte.
1799 zogen 8'000 österreichische Truppen und 1801 50'000 Mann der russischen Armee durch Rapperswil. Dazwischen besetzten die
Franzosen wieder die Stadt, wobei jedes Mal das Regime wechselte. Überflüssig ist zu sagen, dass damals fast alles ruiniert und
vieles, so die Ernte, gestohlen wurde. Die Brücke war so stark beschädigt, dass sie neu erstellt werden musste.
Zum Abschluss erwähnt der Referent noch Elisabeth Helbling, die 1801 Nepomuk Curti, Kaufmann, heiratete, der von seiner ersten
verstorbenen Frau bereits 15 Kinder hatte und dem sie weitere 12 schenkte. Wenn auch von diesen 27 Kindern 9 im Kindesalter
starben, so war es wohl damals eine der grössten Familien, die sie führte. Ihr ältester Sohn Basil Ferdinand Curti
(geb. 1804) wurde übrigens einer der bekanntesten Politiker im Kanton St. Gallen und war Landammann, Nationalrat, Ständerat usw.
Mit Fragen zu einzelnen Details der Familiengeschichte und nach einer kurzen Diskussion zum Thema Familienverband schloss der Vortrag.
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